Media: Delo.si
Autoren: Igor Bratož
Datum: Mi., 14. Dez. 2022
Link: https://www.delo.si/delova-osebnost-leta/imava-novo-druzino-ki-steje-142-ljudi/
Živa Ploj Peršuh und Tomo Peršuh holten im Rahmen des Projekts Glasba za prihodnost/Music for the future unmittelbar nach Kriegsbeginn 81 junge Musiker aus der Ukraine.
„Im anfänglichen Chaos mussten wir sie ausfindig machen, koordinieren und dann aus verschiedenen Teilen des Landes zum Bahnhof bzw. zum Grenzübergang Záhony schicken, wo wir die erste Gruppe mit Bussen in Empfang nahmen“, erinnert sich Živa Ploj Peršuh.
Die erste Gruppe von 142 Reisenden, darunter 81 junge ukrainische Musiker, von denen 14 minderjährig sind, sowie ihre Mütter und weitere Familienangehörige, traf nach einer langen und komplizierten Reise in der Nacht vom 6. auf den 7. März in Ljubljana ein. In fünf Monaten sind sie bereits bei zweiunddreißig Konzerten aufgetreten.
Die Dirigentin, Musikwissenschaftlerin und künstlerische Leiterin des Slowenischen Jugendorchesters Živa Ploj Peršuh und der Musikproduzent Tomo Peršuh hatten die Idee, jungen Musikern aus der ganzen Ukraine zu helfen, als sie Aufnahmen einer zerstörten ukrainischen Musikakademie sahen. Zu der Entscheidung trug auch ein Gespräch mit der Dirigentin, Gründerin und künstlerischen Leiterin des Jugendsinfonieorchesters der Ukraine bei, Oksana Liniv, die vorschlug, so viele junge Musiker wie möglich aus dem angegriffenen Land zu retten.
Das Projekt, das sich schließlich von einer Evakuierungsaktion zu einem künstlerischen, Spenden-, Solidaritäts- und Integrationsprojekt entwickelte, erhielt den Namen Glasba za prihodnost/Music for the future; sein Ziel ist es nicht nur, jungen Musikern eine sichere vorübergehende Zuflucht zu bieten, sondern ein anregendes und reichhaltiges sprachliches, schulisches und musikalisches Umfeld, eine ununterbrochene Ausbildung und das Sammeln von Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit renommierten Professoren, Dirigenten und Solisten zu gewährleisten. Und dazu das, was Živa Ploj Peršuh immer wieder betont: Die jungen Ukrainer in Ljubljana müssen wissen, dass sie keine Flüchtlinge sind, sondern Musiker; sie und ihr Team helfen ihnen, Haltung, Stolz, Freude und Hoffnung zu bewahren.
Viele Einzelpersonen und Institutionen trugen dazu bei, dass alles so reibungslos wie möglich verlief. Tomo Peršuh wandte sich für Hilfe bei der Organisation an einen Bekannten aus Maribor, den humanitären Freiwilligen Uroš Dokl der Erfahrung in der Hilfe für Kinder syrischer Flüchtlinge in der Türkei hatte (für das Projekt Jakob, das sich in der Türkei um 75 syrische Kinder kümmerte, war er unter den Nominierten für Delos Persönlichkeit des Jahres 2015). Die Stadtgemeinde Ljubljana half rasch mit Bussen und vier Fahrern und sorgte auch für die ersten Unterkünfte in den Jugendherbergen bzw. Hostels Celica und Tresor. Neben dem Bürgermeister von Ljubljana, Zoran Janković , half bei der Lösung logistischer und vor allem bürokratischer Probleme Andrej Šter vom Außenministerium; geholfen haben auch die slowenische Polizei und mehrere Botschaften, und zahlreiche Spender, nicht nur aus Slowenien, haben sich dem Projekt angeschlossen.
Mitte Mai dieses Jahres sagte Živa Ploj Peršuh im Gespräch mit Delo : „Dreihundert warten noch darauf, kommen zu können. Wir haben ihnen Unterkünfte organisiert, auch bei Familien, die sich gemeldet haben, und vorerst sind wir ausschließlich auf Spenden angewiesen. Wir können sagen, dass wir eine neue Familie mit 142 Menschen haben.“ Natürlich halfen auch die Caritas, das Rote Kreuz, UNICEF Slowenien sowie weitere Institutionen und Unternehmen, die ihnen beispielsweise für ein halbes Jahr die marktübliche Miete für eine Unterkunft in Ljubljana bezahlten; es treffen Einladungen verschiedener europäischer Orchester ein, Slovenska filantropija half dabei, den jungen Musikern Slowenischunterricht zu ermöglichen – die Liste der Wohltäter ist lang.
In fünf Monaten sind die jungen Musiker bereits bei zweiunddreißig Konzerten aufgetreten; in besonderer Erinnerung geblieben ist ihnen wie auch dem Publikum wohl das Mai-Konzert im Cankarjev dom, bei dem sie – gemeinsam mit Musikerkollegen des Slowenischen Jugendorchesters – Spenden sowohl für sich und ihre Familien sammelten (bis dahin hatten sie vom Staat nämlich noch keine Bescheide erhalten, die ihnen zumindest eine Grundversorgung gesichert hätten) als auch für UNICEF-Hilfsprogramme für Gleichaltrige, die sich noch in der Ukraine befinden. Entscheidend war jedoch etwas anderes: Unter der Leitung der Dirigentin Živa Ploj Peršuh traten sie mit einem der größten Geiger der Gegenwart auf, Maestro Gidon Kremer, der vor dem Konzert im Gespräch mit Patricija Maličev für Delo sagte: „Ich hoffe nur, dass meine Zusammenarbeit mit den jungen ukrainischen Musikern auf sie wie eine Spritze guten Willens wirkt, und echter Unterstützung meinerseits.“