Junge ukrainische Musiker sind angekommen

März 8, 2022
Posted in Novice
März 8, 2022 Tomo Peršuh

Junge ukrainische Musiker sind angekommen

In Ljubljana ist eine Gruppe junger Musiker aus der Ukraine eingetroffen. Das Slowenische Jugendorchester folgte einem Hilferuf des Jugendsinfonieorchesters der Ukraine und organisierte die Evakuierung von 67 jungen Musikern.

Nach tagelanger anstrengender Fahrt trafen gestern Morgen die ersten Musiker des Jugendsinfonieorchesters der Ukraine im Alter von 12 bis 22 Jahren in Ljubljana ein. Ursprünglich sollten 95 kommen, doch die logistischen und administrativen Schwierigkeiten an der Grenze bei der Stadt Tschop im Westen der Ukraine waren zu groß. Es waren überwiegend Mädchen, einige Mütter und deutlich weniger Jungen. In ihren Gesichtern waren Dankbarkeit, Müdigkeit und Unruhe zu erkennen. Derzeit sind sie in zwei Jugendherbergen untergebracht, doch dies ist nur eine vorübergehende Lösung. Für sie werden Ersatzunterkünfte gesucht; am besten geeignet wären solche, in denen sie Kontakt zu Gleichaltrigen hätten. Wer Interesse hat, kann auf der Website www.smo.ngo. eine Unterkunft anbieten. Dort werden auch Spenden von Unternehmen und Privatpersonen für die weitere Finanzierung von Verpflegung, Grundbedarf, Unterkunft, Betreuung minderjähriger Musiker, Übersetzungen und musikalischen Aktivitäten gesammelt. »Wir werden sehr entschlossen und konsequent daran arbeiten, diesen jungen Menschen, nicht nur denen, die bereits hier sind, sondern auch anderen, die noch kommen, eine Perspektive zu bieten, nicht nur eine Evakuierung,« sagte Živa Ploj Peršuh, Dirigentin des Slowenischen Jugendorchesters.

 

Man möchte weitere 300 junge Menschen evakuieren, die derzeit auf der Warteliste stehen und vor dem Chaos des Krieges in ihrer Heimat fliehen, wo von den Musikakademien keine Spur mehr übrig ist. »Sehr viele Menschen haben mich gefragt, wie sie helfen können, auch weltberühmte Musiker, Organisationen und Orchester wie die Berliner Philharmoniker, die Bayerische Staatsoper, verschiedene Akademien und Jugendorganisationen. Es ist ein fantastisches Gefühl, wenn wir Solidarität leben und sie in der EU nicht nur verkünden. Wir haben eine reale Situation, in der wir Ihre Hilfe wirklich brauchen und für die wir sehr dankbar sind,« sagte Oksana Liniv, die weltweit anerkannte Dirigentin des Jugendsinfonieorchesters der Ukraine und künstlerische Leiterin des Teatro Bologna. Beide Orchester werden sich mit vereinten Kräften für das Wohl der jungen Talente einsetzen. Im Rahmen des Projekts Music for future, einer nationalen Initiative beider Länder, werden sie Konzerte, Festivals, Meisterkurse und Begegnungen organisieren sowie nach Stipendienmöglichkeiten an verschiedenen Musikakademien weltweit suchen. »Wir haben keine Hoffnung, dass dieses Gemetzel in drei Tagen endet, deshalb müssen wir uns um diese Menschen kümmern, denen wir mit unserem Wissen helfen können, aufrecht zu bleiben. Damit sie Hoffnung und ein Leuchten in den Augen haben, statt ihnen nur das Etikett Flüchtlinge aufzukleben,« sagt Živa Ploj Peršuh.

 

Mich waschen, weinen und schlafen

Die neunundzwanzigjährige Malerin Oksana Rura hat auf ihrem Weg nach Slowenien, der unweit von Kyjiw begann, drei Tage lang nicht geschlafen. »Die letzte Nacht habe ich sitzend im Gang zwischen den Waggons im Zug verbracht, wo es so wenig Platz gab. Dort waren noch acht weitere Menschen, Kinder und ein Cello. Wir waren in völliger Dunkelheit, und es war so kalt. Ich fühlte mich wie in einem Film. Aber es war kein Film, es war mein Leben.«

Ihr Bruder spielt im Orchester Posaune, konnte aber selbst nicht fliehen, weil er 23 Jahre alt ist, daher nutzte Oksana die Kontakte und die Gelegenheit zur Flucht. »Heute bin ich durch Ljubljana gelaufen, das mir sehr gefällt, aber ich kann nur daran denken, dass ich nach Hause möchte.« Sie erzählte, dass die Reise schwer war, mit langem Warten an den Bahnhöfen und vielen Menschen, die alle in Panik waren. »Mein Plan war, hierherzukommen, mich zu waschen, zu weinen und zu schlafen.«

Niemand könne sich vorstellen, dass so etwas möglich sei, erzählt sie, betont aber zugleich, dass das Entscheidende sei, wie der Krieg das ukrainische Volk einander nähergebracht habe. »Auch wir, die wir unser Zuhause verlassen haben, kämpfen auf unsere Weise und helfen unserem Land, so gut wir können. Ich versuche, Freunden zu helfen, aus gefährlichen Orten herauszukommen, beteilige mich online an ehrenamtlichen Aktivitäten und gebe mein Bestes. Ich bin stolz, Ukrainerin zu sein.«

Media: Dnevnik.si
Autoren: Tadeja Lukanc
Datum: Di., 8. März 2022
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